Der Untersberg, das „Herzchakra“ der Erde?

Der Untersberg sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Eine Kolumne von Od*Chi.
Der Untersberg sorgt immer wieder für Gesprächsstoff. Eine Kolumne von Od*Chi.

Wie das Licht die Fliegen zieht der sagenumwobene Untersberg allerlei esoterisch und schamanisch Aktive magisch an und hat inzwischen Kultstatus. Manche vermuten darin die Wohnstatt der Ahnen, andere vermeinen Landeplätze für Außerirdische auf ihm zu kennen. (© Text: Od*Chi, Foto: Claudia Mögling)

Laut Sage soll in seiner höhlenreichen Unterwelt so einiges schlummern, um an einem bestimmten Tag aufzuwachen und heraus zu kommen. Da ist die Rede vom langbärtigen Kaiser Karl mit Gefolge bis hin zu im Dritten Reich installierten Nazi-Armeen, die, das Raum-Zeit-Kontinuum nutzend, zu späterer Zeit für „Recht und Ordnung“ sorgen sollen. Es gibt viele, die nach solchen Raum-Zeit-Toren suchen, um in andere Zeiten und Dimensionen reisen zu können. Das lässt darauf schließen, dass ihnen die heutige Zeit und Dimension offenbar nicht besonders gefällt oder vielleicht auch einfach nur zu langweilig ist. Denn warum sollte man sonst woanders hin wollen, wo man niemanden kennt? So ist der große Tafelberg zwischen Salzburg, Berchtesgaden und Bad Reichenhall zu einer Projektionsfläche für vielerlei esoterische Spekulationen geworden. Wohl auch deshalb, weil er in vorderster Linie am Alpenrand steht und im nördlichen Umland omnipräsent ist.
Hartnäckig wird auch behauptet, der Untersberg wäre gar d a s „Herz-Chakra“ (Chakra = Sanskrit für Rad, entspricht einem Hauptenergiezentrums des feinstofflichen Köpers) der gesamten Erde und es gäbe eine direkte Verbindung durch den Erdmittelpunkt zum Ayers Rock in Australien, der als d a s „Wurzel-Chakra“ gilt. Tatsächlich käme man jedoch, bohrte man vom Untersberg bis zur gegenüberliegenden Seite der Erdkugel, im Pazifik heraus. Die Geschichte von dem „Herz-Chakra“ scheint demnach eine etwas lautere Version der „Stillen Post“ zu sein. Denn der Dalai Lama, dem das in den Mund gelegt wird, soll sich vor einigen Jahren lediglich am Salzburger Flughafen mit ausgebreiteten Armen in Richtung Berge gewendet und folgende Worte gesagt haben: „Ich freue mich, so nahe dem Herzen Europas zu sein!“ Von einem Chakra war nicht die Rede und „zufällig“ war eben der erste Berg, dem er sich zuwandte, der Untersberg. Der Rest ist reine Spekulation.
Keineswegs möchte ich dem Untersberg absprechen, dass er ein Kraftberg ist und auch ich halte mich gerne dort oben auf, um Kraft zu tanken und die Ruhe, in der die Kraft eben liegt, zu genießen, weit entfernt von den „Gschpinnerten“, die eher im Tal oder in Seilbahn- oder Hüttennähe zu finden sind. Und ist der Berg auch nicht der Mittelpunkt der Welt, so stimuliert er auf jeden Fall mein Hauptenergiezentrum, denn dort oben geht mir wahrlich immer wieder das „Herzerl“ auf.

 

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TEXT VON: Od*Chi, Alpenbarde und Lebenskünstler aus Bayr. Gmain, bekannt für seine filigranen Mandalas und Sonnenamulette, sowie obertonreicher Naturmusik und bajuwarischen Mantren. www.urwurz.de