Die Kunst der achtsamen Berührung

Unsere angeborenen Selbstheilungskräfte können aufgrund verschiedenster Ereignisse beeinträchtigt sein. Die biodynamische Cranio-Sacrale Körperarbeit „erinnert“ Körper, Seele und Geist wieder an ihre Selbstheilungsfähigkeit und bringt sie ins Fließen.   © Text: Alea Christine Löwe

Die biodynamische Cranio-Sacrale Körperarbeit ist eine sehr sanfte und ganzheitliche manuelle Behandlungsmethode, die sich aus der Osteopathie entwickelt hat und für Menschen jeden Alters geeignet ist. Der Name leitet sich von den lateinischen Wörtern „Cranium“ für Schädel und „Sacrum“ für Kreuzbein ab, welche durch die Wirbelsäule miteinander verbunden sind. Schädel und Wirbelsäule sind von innen mit Membranen ausgekleidet, den Hirn- und Rückenmarkshäuten. In diesem System fließt das „Gehirnwasser“ (Liquor), welches Gehirn und Rückenmark umspült und sich in einer sehr feinen, permanenten rhythmischen Pulsation befindet.
Das Cranio-Sacrale System unterhält enge Wechselbeziehungen sowohl zum Nerven-, Gefäß- und Lymphsystem als auch zum Hormon-, Muskel-, Atmungs- und Skelettsystem – nach dem Motto: „Alles ist mit allem verbunden“.

Die Cranio-Sacrale Körperarbeit hat sich aus der Osteopathie entwickelt
Der Begründer der Cranio-Sacralen Körper-arbeit war der amerikanische Osteopath William Garner Sutherland (1873 – 1954). In zahlreichen Selbstversuchen und Patientenerforschungen stellte er fest, dass die sogenannten Schädelnähte (die Verbindungen zwischen einzelnen Knochenteilen am Kopf) und das Gewebe zwischen den einzelnen Schädelknochen Bewegungen zulassen, die sich direkt auf die Befindlichkeit des Menschen auswirken. Im Verlauf seiner Erforschungen entdeckte Sutherland einen bis dato unbekannten, sehr fein pulsierenden Rhythmus, den er mit einer Frequenz von 6 bis 12 pro Minute ertastete. Er nannte diesen Cranio-Sacralen Puls „Atem des Lebens“ (Breath of life) und „flüssiges Licht“ und stellte fest, dass die Manipulation des Cranio-Sacralen Systems in Form von Druck physische und psychische Veränderungen auslöst, die bei Lösung der Kompression wieder verschwinden. Der „Breath of life“ ist die Lebenskraft, die uns mit unserer Gesundheit, unserem Sein, unserem tiefen Wissen um die eigenen Heilungskräfte in Kontakt bringt. Gegenwärtig geht die Wissenschaft davon aus, dass das Cranio-Sacrale System das erste selbständig funktionierende System des Embryos ist und zugleich das letzte, das im Sterbeprozess zu arbeiten aufhört.

Sanfte Berührungen und Tiefenentspannung fördern Balance und Selbstheilungskräfte
In der Cranio-Sacralen Körperarbeit geht es darum, das gesunde Gleichgewicht wieder herzustellen, Selbstheilungskräfte zu stärken, Erdung zu unterstützen, Blockaden zu lösen, den Energiefluss im Körper anzuregen und somit das Wohlbefinden zu steigern.
Sehr willkommene und angenehme Wahrnehmungen hierbei sind Tiefenentspannung, ein Gefühl von Geborgenheit, Wärme- und/oder Fließempfinden im Körper, Gedankenstille und Leichtigkeit.
Die biodynamische Cranio-Sacrale Körperarbeit befasst sich neben den strukturellen vor allem mit den subtilen beziehungsweise energetischen Aspekten des Cranio-Sacralen Systems. Es geht hierbei hauptsächlich um die Wiederanbindung oder „Erinnerung“ des Menschen an seine ihm innewohnenden Ressourcen und Selbstheilungskräfte, gerade auch, wenn Beschwerden oder Thematiken schon über einen längeren Zeitraum bestehen. Der Behandler nimmt sich vollkommen zurück und fungiert mehr als Begleiter/Unterstützer, der durch sehr sanfte und zugleich tiefe Berührung das Selbstheilungspotenzial „einlädt“, sich zu entfalten. Er schafft durch seine Präsenz, Achtsamkeit, Empathie und feines „Lauschen aus der Mitte des Herzens“ einen Raum, in dem Körper, Seele und Geist die Heilungsschritte tun können, die ihnen zu diesem Zeitpunkt möglich sind.
Während der Behandlung, die circa eine Stunde dauert, liegt der Klient in bekleidetem Zustand auf einer bequemen Liege. Berührungen erfolgen am gesamten Körper, in Abstimmung mit den Empfindungen des Klienten. Häufig geschieht eine Behandlung auch ganz in der Stille – dies ermöglicht es dem Menschen, sich bewusst zu spüren und „ganz zu sich zu kommen“, wofür im Alltag oft wenig Zeit zur Verfügung steht.
Hierbei kann es geschehen, dass durch eine Berührung genau der richtigen Stelle auf die genau richtige Art dem Klienten geholfen wird zu erkennen, was ihn bedrückt und was er braucht, um sein Gleichgewicht und seinen Platz im Leben wieder zu finden.


Alea Christine Löwe lebt und arbeitet am Waginger See und begleitet Menschen seit 15 Jahren mit biodynamischer Cranio-Sacraler Körperarbeit auf ihrem Heilungsweg. www.alea-loewe.de