Bio auch für die Erdbeerwoche?

Bettina Steinbrügger (li.) und Annemarie Harant leisten Pionierarbeit
Bettina Steinbrügger (li.) und Annemarie Harant leisten Pionierarbeit

Bio und Nachhaltigkeit spielt bei Verbrauchern eine immer wichtigere Rolle. Wir ernähren uns mit Biolebensmitteln, verreisen nachhaltig, tragen Fair Trade-Mode und sogar unser Hund bekommt Biofutter. Doch wie sieht es bei Hygieneartikeln für Frauen aus? © Interview: Kraftquelle


"Tampons und Binden macht einen Großteil des Mülls an Stränden aus."

"Wussten Sie, dass die Menstruationskappe zur gleichen Zeit wie Tampons entwickelt wurde?"

"Frauen ohne Zugang zu Frauenhygieneprodukten verlieren pro Jahr 50 Tage in der Schule oder Arbeit, und haben damit bis zu 5 Jahre weniger Schulbildung."

"Konventionelle Frauenhygieneprodukte können Hautreizungen verursachen."



Eine Frau menstruiert in ihrem Leben rund 500 Mal und verbraucht dabei rund 16.800 Binden oder Tampons. Weltweit landen somit 45 Milliarden Hygieneprodukte auf dem Müll. Auch die gesundheitlichen Aspekte für die Frau sind zu bedenken: Konventionelle Tampons und Binden bestehen meist aus einem Mix aus gebleichter und gepresster Zellulose, umhüllt von einer Kunststoffschicht. Letztere wird immer wieder in Zusammenhang mit Hautreizungen und Infektionen im Intimbereich gebracht. Außerdem sind aus gesundheitlicher Sicht die schädlichen Substanzen bedenklich, die bereits in konventionellen Produkten gefunden wurden, wie zum Beispiel Dioxin oder Formaldehyd. Die Wiener Unternehmerinnen Annemarie Harant und Bettina Steinbrügger haben sich dem Thema angenommen. Sie gründeten 2011 das Unternehmen „erdbeerwoche“ für nachhaltige Frauenhygiene.

Kraftquelle: Worin liegt der große Unterschied zwischen euren Produkten und herkömmlichen Hygieneartikeln?
Erdbeerwoche: Unser Sortiment besteht aus nachhaltiger Monatshygiene. Darunter versteht man Produkte, die möglichst geringe negative Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt haben. Konkret heißt das, dass keine schädlichen Chemikalien und nur umweltfreundliche Materialien, wie zum Beispiel Bio-Baumwolle, zum Einsatz kommen. Es gibt aber auch wiederverwendbare Produkte, wie zum Beispiel Menstruationskappen oder Stoffbinden, die zudem weniger Müll verursachen.
Euer neuestes Projekt ist erdbeerwoche@school. Worum geht es hier?
Wir haben uns mit dem Projekt erdbeerwoche@school zum Ziel gesetzt, eine flächendeckende Aufklärung rund um das Thema Menstruation an Schulen und mit Jugendlichen in Gang zu setzen. Dafür haben wir die erste digitale Lernplattform zum Thema Menstruation namens „READY FOR RED“ entwickelt. Diese soll Lehrkräfte dabei unterstützen, Jugendlichen das notwendige Wissen rund um Menstruation und Monatshygiene zu vermitteln.
Was ist euer größtes Ziel 2018?
Unser größtes Ziel für 2018 ist es, unser Schulprojekt „READY FOR RED“ an möglichst vielen österreichischen Schulen zu etablieren und so das Tabu der Menstruation insbesondere unter Jugendlichen zu brechen. Dafür suchen wir aktuell noch Kooperationspartner und Schulen, welche Interesse an einer Einbindung der Plattform in ihre Lehrpläne haben.
Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg.


Mehr Hintergrundwissen, Projekte und ein Online-Shop mit nachhaltigen Binden, Tampons, Slipeinlagen, Menstruationskappen und Unterwäsche auf: wwww.erdbeerwoche.com

*In Teilen Norddeutschlands wird umgangssprachlich die Menstruation als Erdbeerwoche bezeichnet.