Gegensätze machen sexy

Auf Dauer eine stimmige Balance erreichen © Text & Foto: Jörg Romstötter
Auf Dauer eine stimmige Balance erreichen © Text & Foto: Jörg Romstötter

Kennen Sie das Gefühl:  ”Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust?“ Das ist völlig normal! Lesen Sie, wieso das so ist, wie Sie auf Dauer eine stimmige Balance erreichen und weshalb gerade jetzt im Winter der richtige Zeitpunkt dafür ist. © Text & Fotos: Jörg Romstötter

öllig klar und im Reinen mit sich durchs Leben zu marschieren? Ja, das wäre eine feine Sache. So mancher wirkt auch so, als gelänge ihm dies fortwährend. Zumindest hat es den Anschein. Doch die meisten kennen diesen kraftvollen Zustand nur in Phasen. Oft liegen diese Zeiten erstaunlich weit zurück, was wohl eher der Vergangenheitsverklärung zuzuschreiben ist als der Realität. Es dominieren zumeist die Zeiten, in welchen wir hin und her gerissen sind zwischen zwei ausgeprägten Facetten unseres Selbst. Ja, wir haben den Eindruck, zu zweit in diesem Körper zu wohnen. Im Alltag tun wir zum Großteil, was der eine von diesen beiden will. Der andere kommt meist zu kurz. Doch das merken wir nicht immer. Denn gerade im lauten Trubel des Alltags ist es so leicht zu überhören, was sich tief drinnen noch regt.


Unerhörte Wortmeldungen in der Staaden Zeit
Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die lichten Stunden werden rar. Unser Gehirn stellt die Hormonausschüttung auf Wintermodus um und schon sind wir im schönsten Winterblues. Ein völlig normaler Zustand, der uns nicht nur trübe Gedanken und Selbstzweifel bescheren kann. Beim richtigen Verhalten hat er eine immens wertvolle Wirkung auf unseren Lern- und Entwicklungsprozess, die der schönste Sonnen-Sommer niemals bieten kann. Gerade jetzt, im Wintermodus der Hormone, meldet sich der im lauten Tun des Sommers gerne unterdrückte Teil des Selbst zu Wort. Es ist jener Teil, der uns sagen lässt: „Aber eigentlich will ich doch…” oder „So gerne würde ich, doch…” Und es schrauben sich klassische Neujahrsgedanken ins Bewusstsein wie „Nächstes Jahr will ich…”. Gedanken dieser Art können die dunkle Jahresphase unangenehmen machen. Denn diese oft über Jahre und Jahrzehnte mahnende Stimme hat ja so Recht. Insgeheim wissen wir das. Ihr zu folgen bedeutet aber auch immer einen tiefen Einschnitt in angenehm und gewohnt Gewordenes. Das wissen wir nur zu genau. Und gerade deshalb ist es leicht, diese Stimme zu übertönen mit geschäftigem Tun, und es ist so schwer, ihr zuzuhören in der Staaden Zeit.

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Übung für die Staade Zeit
Probieren Sie dies doch mal zwischen Mitte Dezember bis Ende Januar. Lassen Sie sich immer wieder Zeit und Muße, das Vergangene auf sich wirken zu lassen:
• Was haben Sie im letzten Jahr gelernt, vollbracht,
geerntet und was gesät?
• Welche Beziehungen haben Sie neu aufgebaut, welche vertieft, welche beendet
und weshalb?
• In welchen Bereichen haben Sie gesät? In was haben Sie Ihre Zeit und Energie investiert? In Ihre Beziehungen, Ihr Wissen, Ihre Gesundheit, Ihre Fitness, Ihre Finanzen?
• Wo waren Sie ungeduldig und meinten schon, die Ernte müsse doch nun reif sein und waren enttäuscht über die Ergebnisse?
• Haben Sie Ihre Ernte zum Vergnügen verbraucht, oder
ist daraus etwas noch Wert-volleres entstanden?
• Haben Sie Ihre Ernte vollständig verbraucht, oder
haben Sie die besten Teile davon als Saatgut neu investiert?
• In welchen Ihrer Lebensbereiche werden Sie mehr investiert haben, wenn Sie bereits jetzt an nächstes Weihnachten denken?

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Die Geburtsstunde einer neuen Ära
Nicht nur im aktuellen christlichen Glauben ist das Lichtfest Weihnachten das Symbol für den Neubeginn. Ausgerechnet zur finstersten Zeit des Jahres. Über zig Jahrtausende hielten unsere Vorfahren im Tun inne, um die Früchte ihrer Arbeit des sich neigenden Jahres zu genießen und sich auszuruhen für das kommende. Tun auch Sie das schon in würdiger Weise? Und damit als ganz persönliches Ritual, um sich selbst Würde zu verleihen?

Alles Große beginnt klein, schwach und langsam
Erst wenn wir bereit sind zu säen und unsere kleinen Pflänzchen zu hegen und zu pflegen, geben wir der überdröhnten Stimme in uns mehr Raum. Sie wird nach und nach stärker und dominanter werden. Wir fühlen uns mehr und mehr im Reinen mit uns selbst und erleben Klarheit. Was der Aufbau des unterdrückten Teils in uns an Angenehmem und Gewohntem kostet, empfinden wir nun nicht mehr als Entsagung oder gar Verlust, sondern als wertvoll investiertes Saatgut.

© Text & Fotos: Jörg Romstötter

 

ZUM WEITERLESEN:
Das vergessene Wunder: Wie wir aus der Natur Kraft, Erfolg und Inspiration schöpfen von Jörg Romstötter, 248 Seiten, Goldegg Verlag

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Sabine Zimmermann, Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie für die Kraftquelle

Jörg Romstötter  Als Veränderungshelfer nützt er für seine Kunden die Klarheit und Kraft gebende Wirkung der Natur. Der Coach für Gruppen und Einzelpersonen ist Autor des Buches „Das vergessene Wunder: Wie wir aus der Natur Kraft, Erfolg und Inspiration schöpfen”.

www.joerg-romstoetter.com