Liebesfähigkeit und wahre Hingabe / Interview mit Advaita Maria Bach

Kommunikation ist die Basis für eine glückliche Partnerschaft – auch Gespräche über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse. Die eigene Sexualität und Lust zu finden, zu kennen und auszuleben, ist etwas Erfüllendes. Einigen Menschen bleibt die Freude an ihrer Sexualität, vor allem in Verbindung mit dem Herzen, leider verwehrt. Advaita Maria Bach bearbeitet genau diese Themen in ihren Seminaren.  ©Interview: Kraftquelle

Kraftquelle: Advaita, du bietest unter anderem Seminare zum Thema Lust, Leidenschaft und Sexualität an. Herrscht denn in den Schlafzimmern so eine große Flaute, dass es Hilfe von außen bedarf?
Advaita: Aus deiner Frage klingt die weit verbreitete Ansicht durch, dass Liebe, Lust und Leidenschaft von alleine gut laufen sollten, obwohl, wie wir alle wissen, jeder
Lebensbereich der Aufmerksamkeit und Pflege bedarf. Niemand weiß, ob da überhaupt eine große Flaute herrscht. Es gibt wenige Studien darüber. Liebe, Lust und Leidenschaft sind wie ein Garten – der bedarf auch der Pflege.
Was sind die Bewegründe, die Teilnehmer zu dir führt?
Die Motivation, ein Seminar bei mir zu besuchen, ist an erster Stelle sexuelle Heilung, Stärkung der Persönlichkeit und spirituelle Dimensionen der Lust zu entdecken. Dazu kommt, neue Inspirationen zu finden, aus einer gewissen Enge heraus zu kommen in die Freiheit, die viele Aspekte beinhaltet, etwa, mit Mut weniger angepasst zu leben. Oder sich selbst zu entdecken, oder auch, ob das Tantra für dieses Selbst eine Botschaft hat.
Bei manchen Frauen und Männern kommt Lustlosigkeit, Orgasmusunfähigkeit oder Impotenz ohne körperliche Ursachen über einen längeren Zeitraum vor. Was kann dahinter stecken?
Die Wurzel von alledem ist in der Kindheit und Jugend zu finden. Immer noch gibt es sexuelle Repression, trotz des schwindenden Einflusses der Kirchen. Der weltweite Aufschrei des „me too“-hashtags ist auch in den Familien zu Hause. Innerhalb der Familie hat jeder Vater, jeder Opa, jeder Onkel, jede Mutter, jede Großmutter die gleiche Macht wie ein Weinstein in der Filmindustrie. Leider sind sexuelle Übergriffe häufiger an der Tagesordnung als man annehmen möchte.
Wie gehst du damit um?
Ich arbeite mit jedem Individuum an der Aufdeckung der Ursachen mit körperbetonten Methoden. Das Unbewusste schwemmt in den meisten Fällen die Erinnerung zu Tage. Damit kann man dann arbeiten, in Richtung der Stärkung der Persönlichkeit. Man kann Angst nehmen, Mut geben, aufrichten, in die Kraft/Energie gehen, Vertrauen in den Körper finden, der Trennung von Körper und Seele entgegen wirken.
Advaita, du bist Tantra-Lehrerin. Kannst du uns kurz erklären, was Tantra für dich bedeutet?
Tantra bedeutet für mich das Ende der Selbstverleugnung und ist ein Weg der Energieerweckung, nicht nur sexuell, sondern den ganzen Menschen betreffend. Und natürlich auch ein Erleuchtungsweg, der die Sexualität einbezieht. Es ist Befreiung von den Normen der Konvention, von Zwängen, der Enge des Geistes und ein Vorstoß in tiefere Dimensionen der Körperlichkeit, der Seele und des Geistes.
Was unterscheidet deine Arbeit von denen anderer Tantra-Anbieter?
Zu den erlernten tantrischen und körpertherapeutischen Techniken habe ich viele eigene Rituale und Übungen entwickelt. Ich habe die uralten Traditionen des Tantra mit den modernen Methoden auf eine sehr eigene Weise zusammengefügt, so dass jeder Schritt in der Entwicklung einer inneren Logik entspricht, sowohl den zeitlosen Aspekten der menschlichen Existenz entsprechend als auch den temporären Bedingungen der Anpassung an die Gesellschaft.
Spiritualität spielt in deinen Seminaren eine große Rolle. Was ist daran gut, Sexualität mit Spiritualität zu verbinden?
Die Sexualität kann ein Tor sein für die Seele – das ist Tantra. Gut daran ist, dass, selbst wenn die romantische Liebe gerade nicht auf dem Höhepunkt ist, immer Respekt vorhanden ist, für einen selbst, für den Partner und für das Geschehen überhaupt. (Die romantische Liebe ist sowieso eine europäische Idee.)
Inwiefern spielt die Verbindung von Herz (Herzchakra) und Sexualität (Sakralchakra) eine Rolle?
Sie soll Gefühl und Energie verbinden; Lust, die ich-bezogen ist, mit dem Gefühl für den Anderen und wo der sich gerade befindet. Die Verbindung ist wichtig für das eigene Heil-Sein, um nichts vorzutäuschen, sondern in der Wahrheit zu handeln.
Was möchtest du unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Liebe dich selbst, genieße dich selbst, sorge für dich selbst, SEI du selbst – alles andere wird sich dann fügen, was dich erfüllt und glücklich macht.


Advaita Maria Bach praktiziert seit mehr als 35 Jahren Tantra, Therapie, die Lehren des Yoga und der Kabbalah. 1990 gründete sie die Advaita-Tantra-Schule und bietet seitdem Seminare und Einzelsitzungen. Sie arbeitet mit Einflüssen von Bioenergetik, mit der Körpertypenlehre, mit Lehren von Osho, Yoga sowie dem klassischen Tantra. In der Tantra-Szene ist Advaita bekannt für ihre kraftvollen tantrischen Rituale. Es geht ihr vor allem um die Befreiung des Individuums von äußeren und inneren Zwängen, dem Mut zur Wahrheit und der Fähigkeit, ekstatisch zu leben.
Infos zu Seminarangeboten: www.advaita-tantra.de
Bücher, E-Books, CD und MP3 von Advaita Maria Bach: www.therapie-und-tantra.de