Klangfeuerwerke starten im Gehirn

Musik und Sprache prägen unser Zusammenleben.  Martin Zaglmayr / Kraftquelle

Möglicherweise verzaubern uns die Gesänge der Sirenen, die schon in der Mythologie Seefahrer in ihren Bann zogen. Vielleicht sind es aber nur Geschichten, die zwischen unseren Ohren geschrieben werden. Musik und Sprache prägen unser Zusammenleben. © Text: Martin Zaglmayr

Das mit Schallwellen passiert, sobald sie sich im Gehirn als neuronale Impulse ausbreiten, ist für die Wissenschaft noch immer ein großes Mysterium. Eines aber ist sicher: Das Gehirn kann aus geringsten Informationsmengen die Illusion eines gesamten Klangkosmos erzeugen. Das ist auch der Schlüssel zum Verständnis des Hörens. Es ist zwar nicht geklärt, ob sich Sprache und Musik gemeinsam entwickelt haben. Niemand bezweifelt aber, dass Sprache und Musik untrennbar miteinander verbunden sind.
Eine Theorie dazu besagt, dass unsere Vorfahren irgendwann den Vorteil der Zusammenarbeit erkannten. Gemeinschaft erfordert Empathie und Musik kann in hohem Maße Empathie erzeugen. Musik zeigt uns unseren eigenen Gefühlszustand und sie ist zugleich ein enormer Bindungsfaktor. Rhythmus im Speziellen und Musik im Allgemeinen halten die Leute zusammen.

„Klang ist Leben.“
Dieses Zitat stammt vom weltbekannte Dirigenten Daniel Barenboim. Ich denke, er hat damit recht; denn so wie Klänge in der Musik als Informationsträger wirken, heißt es auch in der menschlichen Kommunikation: „Der Ton macht die Musik.“
Sprache ist für uns Menschen etwas Alltägliches. Dennoch arbeitet das Gehirn ständig, um auch jede Nuance verständlich zu machen. So nehmen wir den Inhalt von Sprache, aber auch Melodie und Rhythmus wahr. Man fühlt, was jemand sagt, auch ohne Worte! Schon allein der Tonhöhenverlauf teilt uns etwas über den Inhalt des Gesprochenen mit.

Gehört ist nicht verstanden
Sprache ist ein wunderbares Medium, um Informationen zu transportieren. Das Ergebnis ist beeindruckend, hält aber gleichermaßen Konfliktpotential bereit. Das Gehirn sortiert und bewertet aufgrund individueller Erfahrungen, Glaubenssätze und Wertesysteme. Wir alle kennen klassische Situationen, in denen aufgrund verschiedener Auffassungen Missverständnisse oder handfeste Konflikte entstehen können.
Als langjähriger Kapellmeister und Musiker reagiere ich sensibilisiert auf Klangbalance und -farbe. Diese Fähigkeit ermöglicht es, im Coaching noch besser auf mein Gegenüber eingehen zu können. Dabei sind die leisen Töne mindestens genauso wichtig wie die lauten. Sie haben eine ganz bestimmte Aufgabe, die ihnen jeder Komponist für den Ausdruck seines Werkes übertragen hat. Für mich drückt dies eine Textzeile von Konstantin Wecker besonders gut aus: „Es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.“ Dessen sollten wir uns jeden Tag, auch im zwischenmenschlichen Miteinander, bewusst sein.

Der Klang der Stille
Ich möchte Ihnen noch eine Übung ans Herz legen, mit der Sie Ihr Klangempfinden testen können. Probieren Sie diese alternative Form des Fastens aus und entdecken Sie regelmäßiges Geräuschfasten für sich.


Wahrnehmungs-Übung

Schließen Sie die Augen und nehmen Sie, ganz bewusst, Ihre Umgebung für eine Minute wahr. Was hören Sie? Was hören Sie nicht? Welche Geräusche sind im Vordergrund, welche im Hintergrund? Mit welchen Erfahrungen verbinden Sie das, was Sie hören? Wiederholen Sie die Übung und versuchen Sie, diesmal eine „neue Tonspur“ zu hören!


Martin Zaglmayr ist Musiker, systemischer Coach für Entschleunigung und Trainer für Führungskräfte- und Lehrlingsentwicklung in KMUs. Sein Traum ist es, die Menschen in der Unternehmenswelt wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, ihr gesamtes Potential freizusetzen und sie zum Erfolgsfaktor Nummer Eins ihres Unternehmens zu machen. zielgeher.at