Mantras – die Kraft des Klangs

Das Wort MANTRA kommt aus dem Sanskrit und ist eine Zusammensetzung aus der Silbe Man (für ,,Geist“) und tra oder trajen (für ,,befreiend“). Der Ursprung dieser Gebetsverse liegt in den indischen Veden, einer Sammlung von Erzählungen, die ungefähr 3.000 vor Christus entstand und die in der Folge ausschließlich mündlich weitergegeben wurde. Das Rig Veda, das Sama Veda, das Yajur und das Atharva (die vier Teile der Veden) wurden der Legende nach von Sehern empfangen und handeln vom Eingebundensein des Menschen in die Schöpfung.  In diese Texte integriert finden wir fast zehntausend Mantras. © Text: Judith Herzl-Rößler

Während des Sadhana (der Mantra-Praxis) wird ein Mantra 108 Mal wiederholt. Oft nimmt man zum Abzählen der Gebete eine Mala. Sie hat 108 Perlen und eine Guru-Perle, die als Anfangs- und Endpunkt dient. Das persönliche Mantra wird im Hinduismus und Buddhismus von einem spirituellen Lehrer verliehen, der den Schüler gut genug kennt, um genau das Gebet auszusuchen, das ihm in seiner spirituellen Entwicklung der beste Begleiter sein wird. Hier im Westen wählt man das Mantra oft selbst: weil die Bedeutung einen anspricht oder aber auch nur sein Klang.
Während der Rezitation verlangsamt sich der Atemzyklus von den normalen 14 Zyklen pro Minute auf 6 Zyklen – unser System kann herunterfahren und Entspannung und Ruhe setzen ein. Der Klang der Sanskrit-Silben hilft zusätzlich, da er den Körper als Resonanzraum ausnützt und heilende Schwingungen abgibt. In der vedischen Anatomie gibt es zwei Klangkanäle (Nadis), die direkt vom Ohr zum Herzen führen. So beruhigt das Rezitieren das Herz und damit die Seele.
Mantras können auf drei Arten rezitiert werden: in der stillen Rezitation, als Japa oder im Kirtan. Still zu rezitieren erfordert hohe Konzentration: Der Geist sollte sich dabei nicht von äußeren Einflüssen stören lassen. Der Mund ist geschlossen, die Zunge bewegt sich stumm. Für diese Rezitationsform sollte man bereits in Meditation geübt sein.
Beim Japa hört man das Mantra nur selbst. Man murmelt es in einer einzigen Tonlage, das heißt ohne Melodie. Wenn Mönche in einem Kloster rezitieren, handelt es sich meist um Japa. Diese Art des Gebets ist auch für Anfänger geeignet.
In Gemeinschaft mit anderen gesungen, durch eine Melodie (Raga) und Instrumente unterstützt, wird die Rezitation zum Kirtan. Durch die Musik ist es noch leichter, die Gefühlsebene zu erreichen.
In vielen hinduistischen und buddhistischen Ländern ist das Mantra in den Alltag integriert. Man rezitiert beim Aufstehen, beim Kochen, auf dem Weg zur Arbeit und am Abend vor dem Schlafengehen. Je mehr Wiederholungen, desto eher wirkt das Gebet.
Sollten Sie diese heilsame Praxis einmal selbst ausprobieren wollen, setzen Sie sich entspannt in den Schneider- oder Lotussitz. Schließen Sie die Augen und singen Sie ein tiefes A. Dabei öffnen Sie die Arme. Verwandeln Sie das A in ein U und falten Sie die Hände vor Ihrer Brust. Nun verwandeln Sie das
U in ein M und legen Sie ihre Hände unter den Bauchnabel. Aus dem Übergang von A zu U zu M entwickelt sich das Ur-Mantra: das OM. Falls Sie eine Mala zum Abzählen der Mantren verwenden wollen, nehmen Sie diese in die rechte Hand und beginnen Sie mit dem Zählen links von der Guru-Perle. Wenn Sie diese Perle wieder berühren, haben Sie 108 Mantren gesprochen. Man betet nie über den Guru weiter, sondern dreht die Kette um und beginnt dadurch wieder links von ihm.
Welches Mantra Sie verwenden, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Lassen Sie sich vom Klang oder von der Bedeutung leiten. Mein Lieblingsmantra ist auch sehr bekannt: Om mani padme hum. Es handelt vom Juwel in der Lotusblüte. Ich interpretiere es als Wunder der Schöpfung: Aus der Verwurzelung in tiefem Schlamm wird durch die Kraft der Verwandlung eine wunderschöne Blüte, die in diesem besonderen Gebet Buddha trägt.


Workshop | Yoga - Mala - Mantra | 22.04., 14 Uhr
Yogaeinheit mit Ariadna Castorena, Mala-Knüpfkurs und Mantrasingen-Einführung mit Judith Herzl-Rößler.
Ort: Yoga Gallery, Sigmund-Haffner-Gasse 3, Salzburg

Preis: 69 Euro (inkludiert Yogastunde mit Ariadna, alle Materialien für eine Bergkristall-Mala, den Knüpfkurs und die Einführung ins Mantren-Singen)

Infos auf urbanyogi.at | Anmeldung: info@urbanyogi.at


Mag. Judith Herzl-Rößler lebt mit Sohn und Hund im Salzburger Andräviertel. Seit einigen Jahren fertigt sie Yogataschen und knüpft Malas (buddhistische Gebetsketten) in ihrem Atelier. Neben den Mala-Knüpfkursen unterrichtet sie auch Mantra-Praxis im Alltag.

Instagram: #urbanyogisalzburg | urbanyogi.at