Die heilende Paarbeziehung

Beziehungen können wunderbare Orte der Heilung und der spirituellen Weiterentwicklung sein.  © Text: Sabine Zimmermann
Beziehungen können wunderbare Orte der Heilung und der spirituellen Weiterentwicklung sein. © Text: Sabine Zimmermann

Beziehungen können wunderbare Orte der Heilung und der spirituellen Weiterentwicklung sein. Wenn wir beginnen, Verantwortung zu übernehmen und den anderen als Spiegel zu begreifen, der den Weg zu uns selbst aufzeigt. © Text: Sabine Zimmermann

Die Liebe zu einem anderen Menschen  – für die meisten das schönste Gefühl der Welt. Zumindest zu Beginn einer Beziehung, wenn alles in rosarotem Licht erstrahlt. Haben wir doch endlich unser „Glück“ gefunden, und soll das jetzt bitte auch – in Gestalt des Partners – möglichst für immer bei uns bleiben. Doch das altbekannte romantische Ideal der Liebe endet in vielen Fällen gar nicht so romantisch. Da wäre es doch schön, endlich einen Weg aus den Beziehungsdramen heraus zu finden.
In kaum einer Situation werden wir so stark mit uns selbst konfrontiert wie in einer intimen Liebesbeziehung – verheißungsvolles Ziel unserer Sehnsüchte und Fluchtort vor unseren Ängsten. Beim Partner glauben wir, endlich Erleichterung, Geborgenheit und Liebe zu finden. Solange er oder sie nur bleibt, spüren wir das Loch in unserem Herzen kaum noch. Dass wir einer Illusion aufgesessen sind, erleben wir meist erst, wenn es kriselt.
Paare, die seit längerer Zeit zusammen leben, können meist auf Anhieb formulieren, was sie am anderen stört. Und sie sind fest überzeugt davon, dass sie recht haben – dass der oder die andere nun „mal so ist“. Bei glücklichen Paaren überwiegt der Fokus auf jene Aspekte, die jeder am anderen liebt. In Krisenzeiten sind es jedoch häufig jene so genannten „unüberbrückbaren Differenzen“, die zur Trennung führen. Manchmal beginnt dasselbe Spiel mit einem neuen Partner wieder von vorne. Ohne Heilung ein schier endloses Unterfangen. Denn was wir im „Außen“, also im Partner, suchen, werden wir niemals finden, solange wir es nicht bei uns selbst finden – und heilen. Dabei gibt es einen wunderbaren spirituellen Meister, der uns „unsere“ Themen aufzeigt und als Spiegel und Lehrer gleichermaßen fungiert: der Partner oder die Partnerin.

Projektionen – Schutzmechanismen unseres Ego
Für Paare, die aus ihren destruktiven Mustern ausbrechen wollen, ist es ein erster Schritt, zu erkennen, dass die „Wahrheiten“ über den anderen nur scheinbar wahr sind. In Wirklichkeit handelt es sich um „Projektionen“ – eine Art Schutzmechanismus unseres Egos, durch den wir eigene, unbewusste Anteile unseres Selbst auf den Partner projizieren. Dadurch verteidigt sich unser Ego gegen die eigene unangenehme Realität. Denn wieviel leichter ist es doch, den eigenen „Schatten“ im anderen zu erspähen und dort zu bekämpfen, anstatt sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die Krux daran: Zu Beginn ist es fast unmöglich, die eigenen Projektionen zu durchschauen. Denn von innen fühlt sich die Illusion wie die Wahrheit an. Die Projektion zu hinterfragen bedeutet, die eigene Wahrnehmung und einen guten Teil der eigenen Realität gründlich in Frage zu stellen. Dieser Schritt ist möglich, aber er erfordert eine außerordentliche Bewusstheit. Hier kann ein Paarcoaching gute Dienste leisten. Wenn ein Partner dem anderen beispielsweise unterstellt, dieser sei egoistisch und mache, was er wolle, so lautet der Spiegel folgendermaßen: Was zeigt mir mein Partner? Wie sieht es mit meiner
eigenen Selbstliebe aus? Gestehe ich mir zu, das zu machen, was ich will?
Oder der Vorwurf an den anderen, überkorrekt zu sein und alles kontrollieren zu müssen. Hier lautet der Spiegel: Welche Bereiche in meinem Leben gibt es, in denen ich alles unter Kontrolle haben möchte (inklusive
der eigenen Gefühle)?
Solange ein Paar die gegenseitigen Vorwürfe nicht als Spiegel erkennt, läuft die Beziehung leicht in einem Hamsterrad aus Forderungen, Angst, Wut, Enttäuschung, Eifersucht, Liebesentzug und Verzweiflung. Erst wenn beide beginnen, die zerstörerischen Muster zu erkennen, in denen sie gefangen sind, können sie aus dem Drama aussteigen, indem sie Verantwortung für sich selbst übernehmen. Denn da ist nichts im Außen. Die Annahme einer  – meist schmerzhaften – Wahrnehmung zeigt, dass da eine eigene, unverarbeitete Wunde ist. Der Schmerz lädt dazu ein, weiterzugehen, zu wachsen und sich auf eine neue, tiefere Ebene der Beziehung einzulassen -– sofern beide das möchten. Dann erst kann wirkliche Heilung geschehen. In einer bewussten Beziehung haben beide Partner erkannt, dass die gemeinsame Quelle, aus der sie schöpfen, die Liebe zu sich selbst ist.

WORKSHOPS UND PAARBERATUNG
www.gehedeinenweg.net
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Sabine Zimmermann, Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie für die Kraftquelle

Sabine Zimmermann ist Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berchtesgaden. Gemeinsam mit dem Coach und persönlichen „Spiegel“ Jörg Möller-Jöhnk arbeitet sie unter
anderem mit Paaren, die ihre Beziehung miteinander klären möchten. www.gehedeinenweg.net