Räuchern mit heimischen Pflanzen

Rainfarn kann zum heimischen Räuchern verwendet werden
Rainfarn entwickelt einen leicht bitteren, erdigen Duft, stärkt die Abwehr und das Selbstbewusstsein

Das uralte Wissen um die Kraft des Räucherns ist im Menschen tief verwurzelt. Es gehört wahrscheinlich zu den ältesten rituellen Praktiken der Menschheit. Traditionell wurde zu den Festen im Jahreskreis geräuchert. (© Text: Hilde Bauhofer)

Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr und im Herbst, Winter- und Sommersonnenwende und familiäre Ereignisse wie Geburt oder Tod waren Anlässe. In den Rau(ch)nächten zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und Heilige-Dreikönige am 6. Januar waren Räucherrituale weit verbreitet. Der Übergang vom Alten zum Neuen wurde hinterfragt, das Alte verabschiedet und neue Visionen gesucht.


In alpenländischen Gebieten ist das „Rauchen“ nach wie vor ein Ritual im Jahreskreis, insbesondere in den „Rauchnächten“. Die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember ist die erste Nacht. Dabei wird Glut aus dem Herd in eine gusseiserene Räucherpfanne gelegt, darüber werden Weihrauch und fein zerhackte Kräuter aus dem Kräuterbuschen gestreut. Die ganze Familie geht durch Haus und Stall, von Raum zu Raum. Es darf kein Familienmitglied außer Haus sein, das würde Unglück bringen. Im österreichischen Raum ist es Brauch, einen Hut über den Rauch zu halten, um sich im kommenden Jahr vor Kopfweh zu schützen. Danach wird gebetet. Das Gleiche gilt für die Silvesternacht und die Nacht vor dem Fest der Heiligen Drei Könige.


Geräuchert wurde und wird nach wie vor mit duftenden Substanzen wie Kräutern, Hölzern und Harzen, zu ganz unterschiedlichen Zwecken:
Reinigungsräucherungen wirken keimtötend und desinfizierend, während Schutzräucherungen negative Energien und böse Geister vertreiben. Aromatisierungsräucherungen sorgen für einen besseren Geruch. Ahnenräucherungen stellen den Kontakt zu den Ahnen her und Götterräucherungen übermitteln ein symbolisches Gebet an die Götter. Das Räuchern zur Wahrnehmungsveränderung ermöglicht den Eintritt in andere Wahrnehmungszustände. Auch bei Schwellenübertritten wie Geburt, Hochzeit oder Tod gibt es feste Räucherrituale. Wetterräucherungen dienten dem Schutz und zur Abwehr bei Gewittern und Unwettern.

 

Beim Räuchern geht es darum, den Geist – die Wirkung – der Pflanze von der Materie – dem Pflanzenkörper – zu lösen. Für diesen Vorgang wird die Glut des Feuers zur Transformation verwendet. In dieser Form kann sich der Pflanzengeist ungehindert verbreiten und seine Kraft entfalten. Die Kräfte der Elemente verstärken dies und wirken symbolisch in der Glut (FEUER), der Schale (WASSER), der Pflanze (ERDE) und dem Rauch (LUFT). Dieses sind einige unserer heimischen Räucherpflanzen:

BEIFUSS (Artemisia vulgaris) – eine unserer wichtigsten Schutz-, Heil- und Zauberpflanzen
Er eignet sich gut bei Elektrosmog, baut Spannungen ab und kann Erleichterung, auch bei Gewittern, verschaffen. Veränderungen im Leben werden unterstützt, das Weibliche, die Intuition und das Wissen gestärkt und das Traumbewusstsein gefördert. Gibt Hilfe beim Prozess des Trauern und des Loslassens und ist ideal für Räucherungen bei Übergansritualen aller Art.
Verwendet wird das getrocknete Kraut und die Blütenrispe, kurz vor der Blüte geerntet.
EISENKRAUT (Verbena officinales) – eine kraftvolle, magische Pflanze
Es fördert diplomatische Fähigkeiten, unterstützt Gerechtigkeit und hat eine versöhnungsbringende Kraft. Verstärkt die Schutz- und Abwehrkräfte, richtet uns innerlich auf und hilft unsere Traumerinnerung zu verbessern. Verwendet wird das getrocknete Kraut, während der Blüte geerntet.

SALBEI (Salvia officinalis) – große, reinigende Wirkung
Er reinigt den Geist und die Emotionen, hilft beim Zentrieren auf das Wesentliche. Klärt die Atmosphäre von Häusern und Räumen, löst störende und stressgeladene Energien aus der Aura.
Der angenehme, würzig-aromatische Geruch macht die Lunge frei, verhilft zum Durchatmen und erdet gleichzeitig. Verwendet werden die getrockneten Blätter.
JOHANNISKRAUT (Hypericum perforatum) – bringt Licht ins Dunkel
Die Pflanze beruhigt bei Nervosität und stärkt die Nerven. Sie wirkt spannungsabbauend, hilft gegen Traurigkeit, Depressionen, Liebeskummer und bei Angst vor Dunkelheit. Verwendet werden die getrockneten Blüten.
HAGEBUTTE (Rosa canina) – gut für die Liebe
Eine Hagebuttenräucherung zieht positive Energien an, hilft bei magischen Handlungen und gibt Ruhe, Entspannung und Zuversicht. Gut geeignet bei allen Liebesangelegenheiten. Verwendet werden die reifen, kleingeschnittenen, getrockneten Früchte.
FICHTE (Picea abies) – der Lichterbaum
Ihr wird nachgesagt, dass ein weiblicher, mütterlich schützender Baumgeist in ihr wohnt. Bringt alte Wunden zum Heilen ans Licht, klärt den Geist, fördert die Konzentrationsfähigkeit, reinigt und schützt, erweitert den Brustraum und das Herz.
Verwendet werden die „Harztränen“ vom Stamm des Baumes. Das Harz sollte bereits so alt sein, dass es nicht mehr klebrig ist.

BAUMFLECHTEN
Bei Erkältungen, insbesondere Schnupfen und Husten, langsam auf dem Räucherstövchen verräuchern. Duftet köstlich nach Pilzen.
Verwendet werden die trockenen Flechten. Sie können kurz vor oder nach dem Vollmond vom Boden aufgesammelt werden.

Bei einer Räucherung spielen zwei Faktoren zusammen, zum einen die menschliche Absicht und zum anderen die Kraft der Pflanze. Unsere Absicht gibt die Richtung an. Das Pflanzenwesen, losgelöst und transformiert durch die Glut, schenkt uns seine Kraft und hilft dadurch bei der Umsetzung.


Räucherrituale können individuell gestaltet und angewendet werden. Eigene Mischungen sollen nicht mehr als drei verschiedene Zutaten enthalten. Bei Kleinkindern, Schwangeren und bei schweren psychischen Erkrankungen ist Vorsicht geboten bzw. wird vom Räuchern abgeraten.
Das Jahresrad erleben wir immer wieder neu. Das Werden und Vergehen der Natur ist auch in uns selbst. Es ist erstaunlich, welche tiefgreifende Wirkung dieser Zyklus auf unser Leben hat. Mit Räucherritualen können wir begleiten und die Gesundheit und das Wohlbefinden unterstützen. In den Seminaren aus der Reihe „Yoga & die Magie der Pflanzen“ gibt es ausführliches Hintergrundwissen zur Praxis des Räucherns im Jahreskreis. Mit verschiedenen Ritualen drinnen und draußen werden tiefgreifende Erfahrungen möglich, die das Leben im Alltag begleiten und bereichern.

(© Text: Hilde Bauhofer)

DIE VERSCHIEDENEN RÄUCHERMETHODEN:
RÄUCHERN MIT KOHLE
In eine feuerfeste Schale wird Sand gegeben, darauf die Räucherkohle gelegt und angezündet. Wenn sie eine weißliche Farbe annimmt, können die Räucherbestandteile aufgelegt werden. Durch die Hitze verbrennen die Kräuter rasch.
RÄUCHERN MIT EINEM SIEB
Dazu gibt es Räucherstövchen mit einem Teelicht und einem feinem Sieb. Das Räucherwerk wird auf das Sieb gegeben und verräuchert langsam und sanft.
RÄUCHERBÜNDEL
Die Bündel werden im Sommer aus frischen Kräutern wie Salbei oder Beifuß mit einem natürlichen Faden zusammengebunden und getrocknet. Sie können direkt angezündet werden.

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Seminare:
Planzenwissen, Räuchern, Rituale – Seminare mit Hilde Bauhofer:
Info und Anmeldung unter www.alpen-gesundheit.de

 

ZUM WEITERLESEN
• Räuchern mit Kräutern und Harzen von Barbara und Hans Haider, 64 Seiten, Servus Verlag
• Räuchern mit heimischen Kräutern – Anwendung, Wirkung und Rituale im Jahreskreis von Marlis Bader, 240 Seiten, Kösel Verlag.

 

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Sabine Zimmermann, Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie für die Kraftquelle

Hilde Bauhofer ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Klangtherapeutin und Atemtrainerin. Ihr großes Interesse gehört den heimischen Kräutern. In Workshops vermittelt sie ihre diesbezüglichen Erfahrungen. www.alpen-gesundheit.de