Neue Wege in der Schmerzbehandlung

Neue Wege in der Schmerzbehandlung / TriAS-Behandlung ©Text: Simone Grözinger

“Was zum Kuckuck macht der da?“ dachte sich Dr. Willem ten Rhijne, Militärarzt der Holländischen Ostindien-Handelsgesellschaft, als er im 17. Jahrhundert auf Java einen japanischen Soldaten dabei beobachtete, wie dieser sich mit einer Nadel in den Oberbauch stach.    ©Text: Simone Grözinger

Ob der Arzt später den Zusammenhang verstanden hat, ist nicht bekannt, aber er war der erste dokumentierte Zeuge einer Triggerpunkt-Akupunktur geworden: Der Soldat befreite sich durch Nadelung der Bauchmuskulatur von seinen heftigen Bauchschmerzen.

 

Trigger-was?
Viele Millionen Menschen in Deutschland leiden an Schmerzen. Im therapeutischen Alltag sind das meist Schmerzen am Bewegungsapparat oder Kopfschmerzen. Schmerzen werden verschiedenste Ursachen zugeschrieben: Gelenkverschleiß, entzündliche Erkrankungen, Blockierungen, Bandscheibenvorfälle mit Nervenwurzelreizung und ausstrahlenden Schmerzen. Zudem gibt es Störungen der Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung. Eine sehr häufige und oft unterschätzte Ursache akuter, chronischer und „therapieresistenter“ Schmerzen sind jedoch Triggerpunkte.

Klein, aber oho!
Triggerpunkte sind winzig kleine Entzündungen im Skelettmuskel, etwa so groß wie ein Stecknadelkopf oder eine Linse. Schmerzfasern leiten diesen Reiz zum Rückenmark und dort wird das Signal auf eine andere Etage umgeschaltet: Der Schmerz wird nicht im betroffenen Muskel selbst, sondern an anderer Stelle spürbar, mehr oder weniger weit weg. Das Ganze heißt dann „muskulärer Übertragungsschmerz“, aber Triggerpunkte können auch andere Beschwerden verursachen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Durchblutungsstörungen, Muskelkrämpfe und -zuckungen, bis hin zu Schwellungen weit weg vom Ort des Geschehens. Da der Mensch über 400 Muskeln hat, die alle aktive Triggerpunkte ausbilden können, können diese Beschwerden am gesamten Körper auftreten. Von oberflächlichen Körperschichten über Sehnen, tief in den Muskeln und Gelenken oder im Kopf. Sehr häufig werden Kopfschmerzen, Beschwerden im Nacken-Schulter-Bereich und Rückenschmerzen von aktiven Triggerpunkten verursacht und/oder aufrecht erhalten.
Gründe für eine Aktivierung von Triggerpunkten sind sehr vielfältig: Überlastung, Haltungsfehler, Operationen, aber auch Stress, virale Infekte und längere Ruhigstellung von Körperteilen (Gipsverband).
Eine weitere Besonderheit dieser Art von Schmerzen ist, dass sie eher schlecht auf herkömmliche Schmerzmittel (wie Ibuprofen, Aspirin) ansprechen, da der Triggerpunkt in seinem Inneren kaum durchblutet ist. Somit gelangen die entzündungshemmenden Wirkstoffe gar nicht in ausreichender Konzentration an den Ort des Geschehens.

Wie kam es zur Entwicklung der Triggerpunkt-Akupunktur?
Pionierin der modernen Triggerpunktmedizin war Dr. Janet Travell. Die Schmerzforscherin behandelte den US-Präsidenten John F. Kennedy als seine Leibärztin. Mit ihrem Kollegen Dr. David Simons hat sie die Triggerpunkte und die dazugehörigen Schmerzmuster des gesamten menschlichen Körpers erforscht und katalogisiert und Therapiemethoden entwickelt.
Der deutsche Arzt Dr. Wolfgang Kohls entwickelte unter dem Begriff TriAS  – Triggerpunkt-Auflösung zur Schmerzbehandlung – ein systematisches Akupunkturkonzept.

Wie läuft eine TriAS-Behandlung ab?
Zuerst werden die in Frage kommenden Muskeln gründlich abgetastet. Aktive Triggerpunkte zeigen sich als schmerzhafte Zonen, in die dann für wenige Sekunden eine dünne Akupunkturnadel vorgeschoben wird. Der Patient spürt kurz ein dumpfes Druckgefühl, oft entlädt sich die Spannung mit einem Zucken des Muskels – der Triggerpunkt ist deaktiviert. Danach stellt sich oft ein Schweregefühl ein, auch eine Art Muskelkater und Müdigkeit sind möglich. All das sind positiv zu wertende Reaktionen, die bald wieder verschwinden.
Unbehandelt können Triggerpunkte jahrzehntelang existieren und großes Leid verursachen. In manchen Fällen lassen sich die Beschwerden auch noch nach jahre- oder jahrzehntelanger Erkrankungsdauer deutlich bessern oder sogar beseitigen.

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Simone Grözinger ist als studierte Pharmazeutin und Lebensmittelchemikerin leidenschaftlich der Naturwissenschaft verbunden. Als Heilpraktikerin und Yogalehrerin BDY/EYU mit eigener Praxis in Bischofswiesen lebt sie ebenso leidenschaftlich die moderne Ganzheitsmedizin. www.praxis-aequilibrium.de