Die indianische Schwitzhüttenzeremonie – eine Verbindung mit dem Schoßraum von Großmutter Erde

„Die Sonne war schon untergegangen. Es herrschte eine kraftvolle Atmosphäre an diesem Platz, als wir uns dort am Feuer versammelten. Wir wurden alle stiller und stimmten uns innerlich auf die Zeremonie ein. Ich stand in der Dunkelheit, beleuchtet vom Schein des Feuers, an der Schwelle des Eingangs vor der Schwitzhütte. ... © Text: Ulrike Kleylein

Der Leiter der Schwitzhüttenzeremonie fächerte mit einer mächtigen Adlerfeder, um mich mit den Kräften der Ahnen zu verbinden – mit fremd klingenden Worten, die eine starke und kraftvolle Wirkung auf mich hatten. Dann krabbelte ich durch den niedrigen Eingang in das Innere der Hütte, wo es angenehm nach Erde, Gras und Feuer roch. Wir alle saßen nackt auf unserem Handtuch auf dem Boden. Ich war aufgeregt, aber auch neugierig und voller Erwartung. Nachdem alle Teilnehmer/innen der Zeremonie ihren Platz im Kreis gefunden hatten, kroch als letzter der Schwitzhüttenleiter in die Hütte. Es wurde noch magischer, als der Hüter des Feuers rotglühende Steine in die Hütte brachte, die achtsam in ein Loch neben der Tür hineinglitten. Die Dunkelheit färbte sich in ein mystisch rötliches Schimmern. Das Eingangstor wurde geschlossen und ein kraftvolles Zischen vom ersten Aufguss des Wassers auf die heißen Steine kündete vom Beginn der ersten Runde. Alle meine Sinne waren wach und ich war bereit für das Abenteuer…“
Menschen haben seit jeher – seit sie das Feuer entdeckt haben – in vielen Kulturen und Traditionen Reinigungs-Zeremonien abgehalten. Zur körperlichen Reinigung, zur Gesunderhaltung, zur Heilung und um zu beten. Auch um sich zu verbinden – mit Großmutter Erde, mit den Kräften der Natur, mit den Ahnen und mit dem „Großen Geist“, dem Göttlichen.
Vor 13 Jahren nahm ich zum ersten Mal an einer Schwitzhüttenzeremonie teil – und seither viele Male im Verlauf meines eigenen schamanischen Weges, auf dem ich die Mysterien der indianischen Zeremonial-Medizin der Twisted Hairs studiere.
Damals wusste ich noch nicht genau, was mich erwartet und wofür es eigentlich gut sein sollte. Es war der Abschluss eines schamanischen Seminars über das Wissen von weiblich-männlicher Balance. Da die Schwitzhüttenzeremonie Teil des Seminars war, ließ ich mich auf dieses neue, völlig unbekannte Erlebnis ein und war gespannt.
„Es war dunkel, nur die glühenden Steine im Steinloch leuchteten. Das Knacken des Feuers außerhalb der Hütte war zu hören und innen das Zischen des Wassers, das auf den glühenden Steinen verdampfte. Dann hörte ich die Worte des Schwitzhüttenleiters. Er sprach zu den Elementen und zu den 20 Kräften des Universums. Er lud sie ein, im Raum der Schwitzhütte präsent zu sein. Viele seiner Worte waren mir nicht bekannt. Die Hitze stieg weiter an und die Gedanken in meinem Kopf wurden ruhiger.
Nach dem Anrufen der Kräfte wurden wir aufgefordert, unsere Gebete zu sprechen – das zu benennen, was wir transformieren und weggeben wollen, das, was uns schmerzt, schwächt, begrenzt … Ich wusste intuitiv, wofür ich beten wollte, welche Blockaden, Schmerzen und schlechte Gewohnheiten ich weggeben wollte. Das zeigte sich im Moment. Durch die Hitze hatte ich einen anderen Zugang zu einer Art von Wissen, das nicht aus meinem Kopf kam, sondern eine Art von direktem Körperwissen.
In verschiedenen Runden beteten wir für uns, dann für andere Menschen, die uns nahe stehen und auch für das Kollektiv. Es gab eine spezielle Runde, in der wir unsere Blockaden dezidiert benennen konnten, bevor wir sie weggaben – dabei spürte ich eine ganz spezielle und wirksame Kraft in mir. Dann war Weite und Stille in mir – zeitlos – ich war dankbar, einfach da zu sein.
Nach der vierten Runde, in der die Präsenz der 20 Kräfte des Universums wieder respektvoll entlassen wurden, krochen wir aus der Hütte – schwitzend, gelöst, berührt, erleichtert und wie neu geboren. Ich legte mich ins Gras, spürte mein Herz klopfen und war einfach glücklich. Danach am Feuer sitzend sah ich in viele berührte Gesichter. Worte sind in solchen Momenten nicht nötig…“
In mir hat sich damals ein neuer Raum geöffnet und mich in der Tiefe berührt – es ist die Verbindung mit dem urweiblichen, kraftvollen und heilenden Raum, dem „Schoßraum“ von Großmutter Erde, in dem wir uns neu gebären.
Sie vertieft unseren Einklang mit der Natur und schafft eine Verbindung, um mit allen Kräften des Universums zu kommunizieren. Sie unterstützt uns, in die größtmögliche und kraftvollste emotionale Balance zu kommen und Altes abzustreifen und uns neu auszurichten. Wir können diesen Raum für uns nutzen, um uns mit der Schöpfungskraft – mit dem „Spirit“ – zu verbinden und unsere Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Ich habe viele Schwitzhüttenzeremonien erlebt und nach meiner langjährigen Ausbildung in der alten Tradition auf dem Sonnentanzweg der Süssen Medizin auch selbst geleitet. In vielen Schwitzhüttenzeremonien in der Tradition der Twisted Hair habe ich erfahren, wie sehr die Kraft der Schwitzhütte unsere Wurzeln und die Verbindung zu den Ahnen stärkt. In unserer analytisch funktionierenden Welt ist die indianische Schwitzhütte ein ursprünglicher Raum – ein Ort von Heilung und Transformation.


OFFENE SCHWITZHÜTTENZERMONIEN IN BAD REICHENHALL
Die Kraft der Schwitzhütten-Zeremonie hat viele positive Aspekte: Sie stärkt die Gesundheit,
aktiviert Selbstheilungskräfte und reinigt den Menschen in all seinen fünf Aspekten.
TERMINE 2018: 03.03., 28.4., 19.05., 02.06., 23.06., 07.07., 18.08., 22.09., 13.10., 03.11.
Beginn 16.30 Uhr – Ende 23 Uhr // www.starsnake.de

Anmeldung und weitere Infos per Tel.: +49 8651 7656809 oder E-Mail: info@starsnake.de


Ulrike Kleylein studiert indianische Zeremonialmedizin und arbeitet selbständig in ihrer Schamanischen Praxis. Sie unterstützt Menschen in Lebensprozessen von spiritueller Sinnsuche und Veränderung, ihr wahres Potential, ihre eigene Essenz zu stärken. In ihrer Schule für Schamanisches Wissen bietet sie gemeinsam mit ihrem Mann Studiergruppen für indianisches Medizinrad-Wissen und Schwitzhütten-Zeremonien an.
www.ulrike-kleylein.de / www.StarSnake.de