Stille Frauen

© Text: Andrea E. Maier

Du erkennst sie am freundlichen
Schimmer ihrer Aura,
wie zerstäubtes Perlmutt,
unaufdringlich und sanft.
Sie sind still.
Du siehst sie oft, aber hörst sie kaum,
weil sie selten über sich selbst sprechen,
sondern gern zuhören,
während ihr warmglänzender Blick
dich ruhig betrachtet.
Und bist du die Laute, die Redselige,
die Kühne,
werden sie dich insgeheim vielleicht
bewundern, beneiden
für deinen Mut und deine Kraft.

Sie sind die Stillen,
die zartwarmen Töne neben den kühlen Prachtfarben eines Gemäldes,
oft übersehen und sich ihrer Bedeutung,
ihrer Macht viel zu wenig bewusst.
Oft sind es sie,
die durch sanftmütige Zurückhaltung
den lauten, kraftvollen Papageienfederdamen
eine wohlwollende Bühne geben
und manchmal sogar Halt,
wenn diese straucheln,
weil sich der hochhackige Schuh
im Flittergewand verhakt hat.

Sie sind es,
die sich oft einer Meinung enthalten,
wenn der Rest der Welt die ihre bereits
gefällt hat und sie lautstark kundtut.
Ihr bedächtiges und mildes Schweigen

tut wohl und gibt

den sicht- und fühlbaren Kontrast,
den die Seele sucht,
der alles ein wenig zu viel geworden ist.

Wenn sie nur wüssten, diese lieben Stillen,
wie heilsam ihre warmherzige Gegenwart ist,
einfach nur dadurch, dass sie da sind
und den Weg mit einem gehen,
schweigend in der Nähe stehen,
und weil ihre Präsenz die Welt um so vieles zärtlicher macht,
selbst wenn sie nicht viel sagen.

 

Sie sprechen mit leiser Stimme,
doch sind sie nicht wirklich schüchtern.
Hinter einer Fassade
von scheuer, echter Freundlichkeit
verbirgt sich die Kraft einer Bärenmutter
und die tiefgründige Schönheit des Herzens,
die sich in ihrem Gesicht

besonders dann zeigt,
wenn ihr bezauberndes Lächeln
die Müdigkeitsfältchen verschwinden lässt.

Oft sind es sie, die Stillen,
die dir das rechte Wort
zur rechten Zeit schenken,
das Ja, die Bestätigung,
nach der du dich insgeheim so sehnst
(auch wenn du weißt, du solltest nicht),
weil Neid und Missgunst ihnen so fremd ist
wie der Sonne die Nacht
und ihre Seele immerzu die kindliche
Freude am Schönsinn zelebriert.

Ich danke den stillen Frauen,
die mit ihren sanften Herzfarbtönen
und ihrer leisen Stimme
unserer grell-schrägen Zwölftonwelt
ihre zartglimmenden Spuren aufdrücken.
Spuren, die selbst in dunkelster Nacht
weithin sichtbar bleiben,
liebevolle Wegweiser auf dem Pfad
unseres Lebens.



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DIE VORLESERIN
Andrea E. Maiers Texte werden häufig im Rahmen der Heil- und Entspannungsarbeit verwendet. Man kann sie auch als Vorleserin für einen Geschichtenabend oder eine
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Andrea E. Maier arbeitet als Texterin und Autorin mit hohem Anspruch an sprach-liche Ästhetik. Ihr Wissen aus dem Bereich Burnout- und Stressprävention setzt einen weiteren Fokus beim Gestalten von Büchern und Audio-CDs für feinsinnige Erwachsene und Kinder. Mehr zu ihrem vielseitigen Angebot: www.wortmalereien.com