Tanztherapie – Wenn die Seele den Körper tanzen lässt

Die Musik aufdrehen, und einfach den Körper machen lassen, wonach ihm gerade ist. Als Kinder können das fast alle. Man macht sich keine Gedanken darüber, was die anderen sagen, sondern bewegt sich einfach drauf los. Zappelnde Füße, schwingende Arme, wehende Haare – Hauptsache Bewegung. (© Text: Regina Forstner)

Die Grundidee ist, ein persönliches Thema zu einem kreativen Ausdruck zu bringen. Es geht darum, sein Herz zu öffnen, und mit sich selbst in tiefen Kontakt zu kommen, um sich der Lebensenergie hingeben zu können. Im Tanz findet man den Moment. Dann beginnen wir, uns der Magie des Universums zu öffnen und zuzulassen, dass es uns seine Schönheit zeigt.
Als kleine Demonstration dazu können Sie sich in den Raum  stellen und die Aufmerksamkeit auf Ihre Füße lenken. Nehmen Sie wahr, wie die Füße den Boden berühren. Atmen Sie bewusst ein und aus, und nehmen Sie die feinen Bewegungen der kleinen Fußmuskeln wahr, die Ihnen helfen, sich auszubalancieren. Folgen Sie der Bewegung und achten Sie darauf, wie sich die Bewegung entwickelt. Das ist Tanz. Ein kleiner Tanz, der wachsen kann. Je nach Tagesverfassung wird er größer, er kann viele Körperteile anstecken und uns in einen wildentfesselten Hexentanz versinken lassen. Oder er bleibt klein und meditativ. Tanz ist etwas, das uns in Verbindung mit unserem Inneren bringt.
Die Urmütter der Tanztherapie und des modernen Ausdruckstanzes haben genau dieses herausgefunden. Es geht nicht darum, ästhetisch schöne Bewegungen und akrobatische Kunststücke zu machen. Es geht darum, etwas im Inneren zu berühren, und in Kontakt zu kommen mit dem mystischen Wesen, das in allen von uns schlummert.

Wie ist Tanztherapie entstanden?
Um 1900 herum ist einerseits die Psychotherapie entstanden. Gleichzeitig haben sich die Künste aus ihrer Schale befreit und gerade im Tanz wurde vor allem auch die Sexualität wieder mehr gelebt. Die Urmütter des Tanzes wie Isadora Duncan, Trudi Schoop und Martha Graham begannen, Menschen mit Bewegungen zu konfrontieren, die die Gesellschaft schockierte und aus ihren Angeln hob.
C. G. Jung entdeckte die unglaubliche psychische Heilkraft dieser Tänzer und arbeitete eng mit einigen von ihnen zusammen wie Rudolf von Laban, Mary Starks Whitehouse und Marian Chace. Durch diese Kreuzung entstand die heutige Tanztherapie.

Für wen eignet sich Tanztherapie?
Für Menschen, die sich gerne bewegen, die Wege erkunden wollen, wie vielfältig Bewegung einsetzbar ist, und die neugierig sind, neue Welten zu erkunden und zu entdecken.Die Tanztherapie ist aber auch für jene Menschen geeignet, die den Bezug zu ihrem Körper völlig verloren haben. In den meisten psychiatrischen Kliniken ist Tanztherapie ein integraler therapeutischer Bestandteil und wird bei allen Krankheitsbildern angewendet.
Besonders erfolgreich ist sie bei Essstörungen aller Art, bei Körperwahrnehmungsstörungen, aber auch bei Depressionen, Burn Out, psychosomatischen Beschwerden und vielem mehr.

Warum sollten gerade Sie zur Tanztherapie kommen?
Tanz kann Ihnen eine ganz neue Welt eröffnen. Sich mit seinem Körper und seinen Ressourcen zu beschäftigen, macht das Leben facettenreicher und farbiger. Es hilft, mit den Herausforderungen des Alltags besser umzugehen und einen liebevollen Umgang mit sich selbst zu gestalten.
Die Tanztherapie ist kein Tanz im klassischen Sinne. Vielmehr unterstützt sie es, Emotionen über den Körper zum Ausdruck zu bringen und somit auch einen Veränderungsprozess einleiten zu können. Der größte Schatz, den es zu entdecken gilt, ist, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. In einem wertschätzenden Umfeld gesehen und gehört zu werden, ist eines der Grundbedürfnisse von vielen Menschen.
Tanztherapie ist eine Möglichkeit, den eigenen Körper so zu befreien, so dass er sich jenseits von richtig oder falsch bewegen kann.  Das befreit die Seele und lässt den Menschen sich ganz fühlen.

....................................................................

Sabine Zimmermann, Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie für die Kraftquelle

Regina Forstner  arbeitet selbständig als Physiotherapeutin und Tanztherapeutin in Salzburg. Ihre Leidenschaften sind Tanz und Bewegung. Sie erforscht Möglichkeiten, wie über den Körper und Körpersprache Kommunikation entsteht, um ein neues Mitein-ander zu kreieren. www.physiotanz.at