In sich selbst zu Hause sein

Durch Qi Gong ist es leichter eine innere Ruhe zu finden.
Durch Qi Gong ist es leichter eine innere Ruhe zu finden. Foto: Furmananna / Fotolia.com

Schon seit mehr als 3000 Jahren verwenden die Chinesen in ihrem Alltag Qi Gong als ein ganzheitliches Bewegungstraining, das gleichermaßen auf Körper, Psyche, Emotionen und Geist wirkt. Was verbirgt sich hinter dieser alten chinesischen Kunst und wie kann sie unseren Alltag bereichern? © Text: Friederike Bauer

Qi heißt Kraft. Qi ist der Motor des Lebens, die Lebenskraft, die bewegt und wandelt. Ist das Qi stagniert oder blockiert, spüren wir Schmerzen oder fühlen uns unwohl, wir sind nicht im Fluss des Lebens und somit nicht gesund. Gong bedeutet Arbeit. Qi Gong ist also Arbeit mit der Lebenskraft. Auch heute noch trifft man in Parks in China immer wieder auf Gruppen von Menschen, die ganz selbstverständlich in der Öffentlichkeit ihre Übungsabfolgen praktikzieren. Qi Gong ist eine aktive Form der Meditation. Wir üben in der aufrechten Alltagshaltung. Unser Körper wird in den meditativen Übungsprozess mit einbezogen. Dadurch gelingt es uns müheloser, die inneren Erfahrungen und Erlebnisse in das tägliche Leben zu übertragen.

Qi Gong als ganzheitlicher Weg
In der heutigen hektischen Zeit wird der Körper oftmals nur dann bewusst wahrgenommen, wenn er nicht mehr funktioniert oder schmerzt. Dann wird repariert und behandelt, damit er möglichst schnell wieder seinen Dienst tun kann. Dahinter steckt eine ausgesprochen mechanistische Vorstellung. Der Körper wird wie eine Maschine betrachtet und genauso gehen viele Menschen mit ihm um. Statt sich zum Beispiel zu fragen, welche Umstände für die andauernden Rückenschmerzen verantwortlich sind, wird schnell zur Tablette gegriffen und repariert – bis zur nächsten Schmerzattacke. Natürlich möchte kein Mensch die technischen Möglichkeiten der westlichen Medizin missen, aber es ist lohnend, sich auch anderen Vorstellungen von den Begriffen Gesundheit und Krankheit zuzuwenden. Unsere westliche Gesellschaft ist stark im Außen orientiert. Wir wissen viel mehr über politische Ereignisse, Autos, Mode, Fußball, Nachbarn als über unser Inneres – Gefühle, Psyche, Seele, Organe, Funktion der Organe, anatomischen Aufbau und Funktion des Leibes. Die psychosomatische Medizin, die sich mit diesen Wechselwirkungen beschäftigt, ist erst ein relativ junger Zweig in der Medizin.
Ich möchte hier gerne den Begriff des „Leibes“ aus der Gestaltpsychotherapie gebrauchen. Darunter wird nicht nur der anatomische Körper verstanden, sondern der „beseelte“, von einem geistigen Prinzip geprägte und durchwohnte Körper, der in einer Wechselwirkung steht mit Psyche, Geist und Seele. Der Mensch hat nicht nur einen Leib, er ist der Leib. Umgangssprachlich verwenden wir dieses Wissen zum Beispiel in Aussagen wie „Der Ärger schlägt auf den Magen“ oder „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen“, „Angst im Nacken haben“ etc.
Die sanften, ruhig fließenden Qi Gong-Bewegungen umfassen drei Ebenen: die äußere körperlich sichtbare Bewegung, die innere Bewegung des Qi, und die mentale Ebene, das heißt Loslassen und Ankommen im Hier und Jetzt. Qi Gong-Übungen sind Achtsamkeitsübungen. Ich bezeichne Qi Gong auch gerne als Bewegungsmeditation. Über die achtsame Wahrnehmung der ruhigen, sanft fließenden Bewegungen bekommen wir wieder ein Gespür und einen Zugang zu unserem Körper. Wir lernen ihn wahrzunehmen und wir lernen, uns selbst besser zu spüren. Durch das geduldige und regelmäßige Üben der Qi Gong-Bewegungsabläufe treten wir in einen seelischen und körperlichen Entspannungszustand ein. Unser Bewusstsein weitet sich und die Fähigkeit zur Innenschau wird erhöht. Zu Beginn, am Ende oder zwischendurch ruhen unsere Hände auf dem unteren Dantien, ein wichtiger Energiepunkt drei Fingerbreit unter dem Bauchnabel. Graf Dürckheim nennt diese Stelle Hara, die Erdmitte des Menschen. Er schreibt: „Der Mensch hat mit seiner leiblichen Mitte auch seine innere Mitte gefunden“.
Die Gehirnforschung bestätigt den beachtlichen Einfluss von Meditation auf die Gehirnleistung. Auch Stress und Ängste werden abgebaut, der Blutdruck normalisiert sich, die Atmung verbessert sich. Wir gewinnen einen Zugang zu unserer Kraft, lernen, auf unser Herz zu hören und in uns entsteht ein Wohlgefühl von Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Wir werden nicht mehr von dem unablässigen Gedankenkarussell belästigt, sondern wir leben viel mehr in der Gegenwart und in Harmonie mit dem Innen und Außen. Qi Gong ist eine der Methode, um diesen Zustand zu erreichen und für fast jeden Menschen leicht erlernbar. © Text: Friederike Bauer

 

QI GONG KURSE:
in Bad Reichenhall bei Friederike Bauer, Tel.: +49 8651 9058327

www.praxis-ganzheitliche-therapie.de

 

 

.............................................................................

Sabine Zimmermann, Sozialpsychologin, Mediatorin, Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie für die Kraftquelle

Friederike Bauer greift auf mehrere Jahrzehnte Erfahrung zurück und arbeitet mit einem großen Therapiespektrum. Ihr Fundament ihrer Arbeit ist die Körper-Selee-Geist-Einheit, die in den Lehren der TCM verankert und ebenso eingebettet ist in den Theorien der Integrativen Gestalt-Psychotherapie. www.praxis-ganzheitliche-therapie.de